Landtagsabgeordnete, Wolfsburgerin und Italienerin: Immacolata Glosemeyer steht stellvertretend für viele GastarbeiterInnen und deren Kinder, die Wolfsburg in entscheidenden Positionen aktiv mitgestalten

Hannover 03.05.17 SPD Kandidaten 2017 T1 Foto: HENNING SCHEFFEN PHOTOGRAPHY MOBIL: 01773193050 WWW.SCHEFFEN.DE info@SCHEFFEN.DE Friedrich-Engels-Str. 31 30880 Laatzen Region Hannover / Niedersachsen / GERMANY

Landtagsabgeordnete, Wolfsburgerin und Italienerin: Immacolata Glosemeyer (Foto) steht stellvertretend für viele GastarbeiterInnen und deren Kinder, die Wolfsburg in entscheidenden Positionen aktiv mitgestalten:

Ich bin am 01. September 1965 in der Nähe von Acri geboren worden. Meine Familie hatte dort einen größeren Landwirtschaftsbetrieb und bot vielen Menschen Arbeit. Durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges und der sich abzeichnenden Wirtschaftskrise wurde es aber immer schwieriger für die Menschen, sodass viele ihre Heimat verließen und ihr Glück im Ausland suchten – so auch mein Vater.

Meine Mutter war bereits mit mir schwanger als er sich auf den Weg in das damals „weit entfernte Deutschland“ machte, um seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. So führte ihn seine allererste Auslandsreise direkt nach Wolfsburg, wo er seinen Arbeitsvertrag bei Volkswagen unterschrieb. Aus der Idee, schnell wieder nach Italien zu kommen, wurde aber nichts, denn bereits kurze Zeit später holte er meine Mutter und mich nach, weil er nicht ohne seine Familie sein wollte.

INTEGRATION DURCH BEGEGNUNG UND AUSTAUSCH

An diesem noch unbekannten Ort ohne Freunde und Familie erlebte ich aber, was Integration bedeutet. Wir zogen zur Untermiete bei einer jungen deutschen Familie ein, die selbst zwei junge Kinder hatte. Die beiden Frauen kamen schnell in Kontakt und unterhielten sich über die Kinder oder den Haushalt, ich hingegen spielte mit den anderen Kindern und lernte so meine neue Heimat immer mehr kennen und mein Vater fuhr gemeinsam mit dem Vater zur Arbeit ins Werk.

Durch die Begegnungen, den Austausch und das freundliche Miteinander lernten wir so die Sprache und Kultur kennen. Noch heute sind wir mit der Familie befreundet und sind ihnen dankbar für die Hilfe und Unterstützung, die sie uns gegeben haben.

Die Jahre vergingen und ich machte eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, sowie viele Fort- und Weiterbildungen. Ich merkte dabei schnell, wie wichtig es mir ist, für Menschen da zu sein und sie zu unterstützen. Deshalb gründete ich den „Wolfsburger Tagesmütterverein“, welcher heute als „Familienservice“ vielen Familien in unserer Stadt hilft.

POLITISCH UND GESELLSCHAFTLICH ENGAGIERT

Aber auch politisch und gesellschaftlich habe ich mich schon immer engagiert. Bei uns zu Hause wurde über Politik gesprochen – und manchmal auch gestritten. Das hat mich logischerweise geprägt und war einer der Gründe, weshalb ich mich entschlossen habe, Politik zu machen. So bin ich seit 1990 Mitglied der SPD und bin seit 2011 Mitglied im Ortsrat der Nordstadt, sowie im Wolfsburger Stadtrat. Viele Menschen kennen mich aber auch als Ortsbürgermeisterin der Nordstadt, wo ich seit 2010 im Einsatz für ein vielfältiges und offenes Miteinander bin.

Mit der Landtagswahl 2013 zog ich in Niedersachsens Parlament ein und darf seitdem unsere Stadt vertreten. Das ist für mich eine ganz besondere Ehre und ich bin stolz seit 2020 auch als Europapolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion Wolfsburg eine noch stärkere Stimme zu geben. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den italienischen Regionen spielt hier für mich eine wichtige Rolle.

DER MUT DER ELTERN – DIE ZUKUNFT DER KINDER

In all der Zeit habe ich aber nie vergessen, was meine Eltern aufgegeben haben, um mir dieses Leben hier in Deutschland zu ermöglichen. Auch wenn sie anfänglich Rassismus erleben mussten, so haben sie doch mehr Menschen getroffen, die ihnen mit einem Lächeln begegnet sind und sie hier mit offenen Armen aufgenommen haben.

Sie haben ihre Chance damals genutzt und trugen so zum Erfolg ihrer Kinder und inzwischen auch Enkeln bei. Ihr Mut hat unseren Weg geebnet, deshalb ist es unsere Aufgabe auch den zukünftigen Generationen Chancen und Zuversicht zu geben – unabhängig von ihrer Herkunft.